Subjektive Einschätzung der physiologischen Erregung

Schlagwörter: Dekompression Dekompressionstauchgänge Tauchverhalten

Vergleicht man die Kurvenverläufe der einzelnen Erfahrenheitsgrade
(Abbildung 0-1, S.43), erkennt man eindrucksvoll, daß mit zunehmender Erfahrung die subjektiv eingeschätzte Erregung immer geringer eingestuft wird, sie aber über die verschiedenen Erfahrenheitsgrade hinweg, bis zu dem Zeitpunkt 7 "Am Tauchplatz" beständig zunimmt. Die Verschiebung des Kurvengipfels vom Zeitpunkt 7 "Am Tauchplatz" zum Zeitpunkt 13 "Beim Auftauchen" bei den sehr erfahrenen Sporttauchern hängt mit dem Tauchverhalten dieser Gruppe zusammen. Erst mit größerwerdender Erfahrung werden auch Dekompressionstauchgänge[12] häufiger. Somit kommt ein neuer Gefahrenfaktor, der des kontrollierten Auftauchens, hinzu.

Das niedrige Erregungsniveau der erfahrenen Sporttaucher kann zum einen dadurch erklärt werden, daß der andauernde Umgang mit Gefahrenreizen keine Angsthemmung, sondern einen Angstabbau zur Folge hat, der soweit gehen kann, daß die Angst vollständig verschwindet. Auch entwickelt sich durch das immer wiederkehrende gleiche Erlebnis eines Tauchgangs eine gewisse Routine, wodurch man Gefahrensituationen besser einschätzen kann.

Zum anderen besteht die Möglichkeit, daß ein Auswahlmechanismus für das geringe Erregungsniveau der erfahrenen Sporttaucher verantwortlich ist, demzufolge ängstliche Sporttaucher frühzeitig mit dem Sporttauchen aufhören.

Die Kurvenverläufe der beiden Geschlechter (Abbildung 0-2, S. 45) zeigen keine signifikanten Unterschiede. Zwischen den Punkten 12 "Kurz vor dem Auftauchen" und 13 "Beim Auftauchen" fällt allerdings ein Plateau auf, was vermuten läßt, daß männliche Sporttaucher eher Dekompressionstauchgänge absolvieren als weibliche. Auch ein in der Gesamtheit höheres Erregungsniveau bei den Frauen ist auffällig, was sich mit der Rollenverteilung der beiden Geschlechter, bei der die Frauen ihre Emotionen nicht leugnen müssen, erklären läßt. So werden Jungen mit der Prämisse erzogen "Ein Junge weint nicht", wodurch erst ein Aufbau eines funktionierenden Angstkontrollsystems ermöglicht wird. Meist bleibt dies bei Mädchen aus, so daß sie sich auch eher zu ihren Emotionen bekennen.

Die in Hypothese 1[13] 41 formulierte Aussage kann anhand der Kurvenverläufe als bestätigt angesehen werden.

Von weiterem Interesse sind die Kurvengipfel zum Zeitpunkt 7 "Am Tauchplatz" in Abbildung 0-2. Der Erregungshöhepunkt liegt in beiden Kurven vor den Zeitpunkten, in denen es zur eigentlichen Konfrontation mit der Gefahr kommt (Zeitpunkt 10 "Während des Abtauchens" bis Zeitpunkt 13 "Während des Auftauchens"). Ein Grund für den Kurvengipfel zum Zeitpunkt 7 ist, daß am Tauchplatz eine Erläuterung der Gegebenheiten erfolgt, wobei unter anderem Gefahren und Besonderheiten des Tauchplatzes angesprochen werden. Das heißt, die Erregung durch die Freude auf ein schönes Erlebnis und durch das Bewußtmachen der Gefahren ist größer, als die Erregung durch Angst während der eigentlichen Gefahrensituation.

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Einschätzung der physiologischen Erregung

Erregung bis zum Zeitpunkt "Beim Auftauchen" auszumachen
und das ohne den Peak zum Zeitpunkt "Am Tauchplatz".

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