Fühlen im Handlungsfeld Sporttauchen

"Alles ist aus Wasser geboren, alles wird durch Wasser erhalten".
(Goethe)

Das Wasser übt einen sehr starken Reiz auf unsere Sinne aus. In ihm haben wir Bewegungsmöglichkeiten und Empfindungen, die wir an Land wohl schwer wiederfinden können.

Was sind das für Wahrnehmungen und Gefühle, was können wir im Wasser erfahren und spüren?

* Gleichgewicht und Wassergefühl: "Wasser hat keine Balken": Das erste Abtauchen endet wohl bei den meisten Anfängern nicht nach dem Vorbild des Tauchlehrers. So soll die Lage des Tauchers im Wasser der eines Fallschirmspringers kurz nach dem Absprung ähneln. Das heißt also, während des Abtauchens soll der Taucher immer Blickkontakt zum Grund und eine stabile Bauchlage im Wasser haben. Dies auch so durchzuführen scheint leicht, nur kommen dabei eine Vielzahl an unbekannten Einflußgrößen für den Anfänger zum tragen. Zum ersten Mal taucht man mit einem Neopren-Taucheranzug ab, dessen spezifischer Auftrieb ungewohnt ist. Um diesem Auftrieb entgegenzuwirken, hat man einen Bleigurt angelegt, der im Zusammenspiel mit dem Auftrieb des Anzuges den Körperschwerpunkt verlagert. Hinzu kommt, daß man eine schwere Druckluftflasche auf dem Rücken und zur Erleichterung der Fortbewegung im Wasser Flossen an den Füßen trägt. Auch die "Schwimmblase" des Tauchers, das Jacket, will einem anfangs gar nicht richtig helfen. So wird man durch den Bleigurt an ungewohnter Stelle nach unten gezogen und die Flossen, mit ihrer großen Fläche, wirken dem Abtrieb ungewohnt entgegen. Zum allgemeinen Mißlingen trägt die Druckluftflasche auf dem Rücken bei, sie zieht einen, so scheint es, unvermeidlich nach hinten. Ausgleichende Bewegungen mit Armen und Beinen bringen nicht den gewünschten Erfolg. Man findet keinen Halt im Wasser, eine Bauchlage im Wasser will und will sich nicht einstellen, der Körper ist sich selbst im Wege. Hier wird klar, daß der Körper mit seinem Reiz-Reaktionsschema an eine bestimmte Umgebung gewöhnt ist. So endet das erste Abtauchen mit dem Gesäß zuerst auf dem Grund, anstatt in ca. einem Meter Abstand vor dem Grund, mit verschränkten Armen und in Bauchlage dem Treiben der Fische zuzuschauen. An ein effektives Tarieren mit dem Jacket ist meist gar nicht zu denken, obwohl es das wichtigste Hilfsmittel für eine stabile Wasserlage für den Taucher darstellt. Nach und nach lernt man, wo die "Balken" im Wasser sind und wie man sich effektiv, geschickt und sicher im Wasser fortbewegen kann. Man erfährt genau das, was einem als Kind beim Erlernen des Laufens oder Radfahrens geschehen ist. In diesem Alter lernt man auf eine Reihe neuer Reize, wie der Lageveränderungen des Körperschwerpunktes, mit der richtigen Körperreaktion zu antworten.

* Atmung: Die Atmung steht im Zentrum unseres Empfindens und das erst recht beim Tauchen. Eine selbstverständliche Funktion unseres Körpers tritt hier auf einmal in den Vordergrund. Normalerweise achtet kein Mensch sonderlich auf seine Atmung. Unter Wasser bemerken wir, daß wir atmen müssen, wir atmen bewußter, denn unser Geist und unser Körper wissen, daß sie sich außerhalb ihres gewohnten Territoriums befinden. Die Atemgeräusche des Atemreglers weisen uns ungewohnt deutlich auf die Atmung und deren Frequenz hin. Auch der Widerstand des Atemreglers, der bei der Ein- und Ausatmung auftritt, ist ein neues Gefühl, das es zu erfahren gilt. Erstmals müssen wir lernen, unsere Atmung ungewohnten Bedingungen unterzuordnen. So läßt uns tiefes Einatmen aufsteigen und starkes Ausatmen unter Wasser absinken. Neben dem Jacket wird so mit der Atmung beim Tauchen die gewünschte Tiefe tarriert. Ruhiges und entspanntes Aus- und Einatmen läßt uns Luft sparen, die wir in anderen Situationen, wie bei Gegenströmungen gut gebrauchen können. Es läßt uns Entspannung spüren und hilft uns, Verspannungen der Muskulatur zu lösen.

* Frieren: Tauchen kann man in den unterschiedlichsten Gewässern. Tauchgebiete vom "Baggersee" über das Mittelmeer bis zum zugefrorenen Gebirgssee sind Normalität. Um in jedem Gewässer der Wassertemperatur angepaßt tauchen zu können, gibt es den Trockentauchanzug für die kalten, den halbtrockenen Tauchanzug für etwas wärmere bis hin zum nur 3 Millimeter starken Tauchanzug für tropische Gewässer. Trotz der wärmeisolierenden Anzüge ist warmes, kühles oder kaltes Wasser auf die höchst unterschiedlichste Art und Weise zu empfinden. So kann man sich in kaltem Wasser erfrischt fühlen oder man fröstelt sowie einerseits vom Wasser gewärmt und andererseits von ihm durchgekühlt werden. Ein Taucher erfährt über die Wassertemperatur Entspannung oder Aufregung, er kann sich erschrecken oder sich an den großen oder kleinen Temperaturunterschieden des Wassers erfreuen.

* Anstrengung: Nachdem das koordinierte Bewegen im Wasser keine Probleme mehr bereitet, lernt man nach und nach sich mit dem Wasser zu bewegen sowie mit dem richtigen Maß an Kraft seinem Widerstand auszuweichen. Eine plötzlich auftauchende Strömung kann den Taucher jedoch jede Bewegung spüren lassen, sie kann ihn fordern und oft erfährt er dann seinen Körper als "unbeweglich" und "sperrig". Jede Bewegung strengt hier an und man verspürt rasch schwere Arme und Beine. Schnell hat man das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen und der Geschwindigkeit des Wassers erlegen zu sein.

(vgl. UNGER, 1992)

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Angst und Angstverarbeitung beim Tauchen

Tauchen, Tauchausbildung, Tauchpsychologie, Psychologie, Angst, Stress, Stressmanagment, Emotion

Einschätzung der physiologischen Erregung

Erregung bis zum Zeitpunkt "Beim Auftauchen" auszumachen
und das ohne den Peak zum Zeitpunkt "Am Tauchplatz".

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